Seefahrer, Museumteam, Wählergruppe, Aktionskünstler, Chorsänger, Theatermacher, Piloten und Idioten und natürlich Freunde

 
26.04.2019
Zu unserm Antrag: 
 
Die Gruppe MMW/die Linke sieht kurzfristig einen Handlungsbedarf bei der Unterstützung der kommunalen Kindergärten und Krippen. 
Hier sollten insbesondere die Kommunen bezüglich der Personalrekrutierung durch flankierende Maßnahmen, die den Erzieherberuf attraktiver gestalten, unterstützt werden. 
Während  sich die „Länderpolitik“ nun im Pflegebereich endlich etwas bewegt, schläft sie im Bereich der frühkindlichen Bildung weiter.
Die Kommunen des Landreises haben jetzt schon Schwierigkeiten den aktuellen Personalbedarf für die KTA's und Krippen zu decken. Die Höhe Fluktuation ist  ein Symptom des Mangels an gut ausgebildeten Erziehern. 
 
Gründe hierfür:  
1. steigender Bedarf an Erzieher aufgrund der gesetzlichen Ansprüchen der Eltern auf eine Kindergarten Platz *  und den Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren
2. die Initiative "mehr Erzieher auszubilden"** und die Ausbildung attraktiver zu machen ist halbherzig und kommt zu spät, da die Engpässe schon jetzt sichtbar werden. (Schließung von Einrichtungen in Hanover Achim usw.). 
Darüberhinaus wird die Situation durch folgende Rahmenbedingungen verschärft: 
1. in den vergangenen Jahren wurden den "Bestandskollegen" in den Kindertagesstätten und Krippen immer mehr Aufgaben ohne wirkliche Aufwertung und Anerkennung des Berufsbildes zugeordnet (Inklusion, Aufgaben der klassischen Jugendhilfe, Integration, frühkindliche Bildung, Dokumentation, Sprachschulung, QM). Dieser politisch legitimierte neue Aufgabenzuschnitt hat das Anforderungsprofil des Erziehers stark verändert und natürlich zu einer Mehrbelastung geführt. 
2. Die Belastungsgrenze scheint überschritten. Trifft diese "Anforderung am Limit" auf einen anhalten hohen Krankenstand oder längere Unterbesetzung in einer Einrichtung könnte dies zu einem Kollaps des ganzen Teams/der Einrichtung führen. 
3. Die individuellen Arbeitszeitwünsche der Erzieher fanden bisher kaum Berücksichtigung. Ein familienfreundlicher Arbeitsplatz für Erzieher (Halbtags - um ihre eigenen Kindern eine Familie zu sein,  oder ganztags, um die eigene Familie zu ernähren) stößt  in der Regel in der Realität auf eine Einstellungspraxis, die die sozialen ökonomischen Kompromisse der schwankenden Angebotsnachfrage und Versorgungslage einseitig auf die Arbeitskräfte abwälzt. Beispiel: Wenn eine Einrichtung nun aufgrund der allgemeinen Situation von jemanden ständig mehr Stunden abverlangt, der sich bewusst für eine Halbtagsstelle entschieden hat,  ist dass für die Betriebszufrieden und Personalgewinnung genauso problematisch, als wenn man jemanden, der auf eine volle Stelle angewiesen ist, nur ein 35 Stundenvertrag angeboten werden kann. 
 
Fazit und Lösungsansätze:
Schon jetzt versuchen "konkurrierende Träger" zukünftige Erzieher direkt von der Schule anzuwerben. Dabei stehen Kindertagesstätten nicht nur untereinander sonder auch mit denen in anderen  Städte in Konkurrenz um zu wenig ausgebildete Kräfte. Diese Rahmenbedingungen kann im Grunde nur das Land verbessern.  Das zögerliche Handeln des Landes verspricht allerdings in den nächsten Jahren keine wirkliche Entschärfung der Situation in den KITAS und Krippen. Vielmehr dürfte sich die Personalsituation in den nächsten Jahren noch verschärfen, bevor man ggf. auf ausreichend gut ausgebildete und qualifizierte Kräfte hoffen kann. (Vgl. hierzu auch den Antrag der MMW zum Sachstand einer tarifgerecht, vergüteten Ausbildung für Erzieher/innen vom April 2014). 
In dieser "Übergangszeit" könnten flexiblere Arbeitszeiten die Situation zumindest etwas entschärfen: 
- Es muss nach Möglichkeiten gesucht werden, Erziehern mit kleinen Kindern einen familienfreundlichen Berufseinstieg zu ermöglichen. (z.B. Überbrückung von kürzeren arbeits- oder Abwesenheitszeiten durch zusätzliches Personal wie Betreuer, Praktikanten, Eltern?)
-  Es muss versucht werden, bezahlte Beschäftigungsmodelle zu entwickeln, um Anreize für    Erzieher, die finanziell auf eine Vollzeitstelle angewiesen sind, zu schaffen den Landkreis nicht zu verlassen. (z.B. Vorbereitungsstunden, organisatorische Aufgaben, QM, betriebliche Weiterqualifizierung) 
 
Zusätzliche Betreuung und zusätzlich Arbeitsstunden wären z.Z. freiwillige Leistungen  der Mitgliedskommunen. Hier Könnte der Kreis durch Zuschüsse Anreize zur Umsetzung einer verbesserten Angebotsqualität für die Angestellten wie auch für  die Betreuung der Kinder setzen. 
Einige KiTas nutzen schon jetzt teure private Personalmanagement-Agenturen um den Gruppenbetrieb aufrechtzuerhalten. Allerdings sind auch deren Kapazitäten schon jetzt kaum ausreichend: 
- Es sollte geprüft werden, ob der Landkreis Friesland als eigentlicher Träger der Kitas und Krippen nicht einen eigen Pool an Springerkräften für die Gemeinden und Städte aufbaut. 
 
Die Bereitschaft des Bestandspersonal "Durststrecken" zu überbrücken und die Attraktivität für die Personalgewinnung wird in Zukunft auch vom "Ruf" und insbesondere auch Betriebsklima abhängig sein (Manche Einrichtung in anderen Kreisen werben aktiv mit Zusatzleitungen.):
 
- Eine weitere Möglichkeit die Beschäftigten in den bestehenden Einrichtung in Friesland zu entlasten und dadurch das Profil der Kitas im Kreisgebiet zu stärken, könnte auch darin bestehen, ggf. einige der zusätzlichen Aufgabe (Integration, Inklusion, Gefährdungsberuteilung, Sprachförderung) ganz oder teilweise durch zusätzliches kreisangestelltes Fachpersonal zu begleiten. 
 
Mit besten Grüßen
Iko Chmielewski
 
 
 
 
 
 

*) Jedes Kind hat von der Vollendung des ersten Lebensjahres bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres Anspruch auf einen Platz in einer Kindertageseinrichtung oder in Kindertagespflege. Der Umfang der täglichen Förderung richtet sich nach dem individuellen Bedarf.

Ab Vollendung des dritten Lebensjahres bis zum Schuleintritt hat jedes Kind einen Anspruch auf den Besuch einer Kindertageseinrichtung. Der Anspruch gilt grundsätzlich für den Besuch einer Vormittagsgruppe. Wenn ein ausreichendes Angebot an Plätzen nicht zur Verfügung gestellt werden kann, kann auf den Besuch einer gleichwertigen Nachmittagsgruppe oder eines Kinderspielkreises verwiesen werden.

Zuständig für die Erfüllung des jeweiligen Anspruchs sind die Kommunen (Landkreise, Städte und Gemeinden), die die Aufgabe des örtlichen Trägers der Jugendhilfe wahrnehmen.

Ab Kindergartenjahres 2018 keine Gebühren mehr für die Betreuung ihrer über drei Jahre alten Kinder zahlen. 

**)

Bereits zum neuen Schuljahr 2018/2019 startet das Land Niedersachsen eine Reform der Erzieherausbildung, um mehr junge Frauen und Männer für die Arbeit in Kindertageseinrichtungen zu gewinnen. Der „Niedersachsen-Plan: Mehr Fachkräfte für die Kita!“ sieht mehrere Bausteine vor, wie die Ausweitung des Praxisanteils in der Ausbildung, den schnellstmöglichen Wegfall des Schulgeldes und die Möglichkeit einer Ausbildungsvergütung. Damit wird umgesetzt, was der Niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne im Dezember 2017 im Landtag angekündigt hatte.

„Je früher Bildung beginnt, desto besser ist das für die weitere Bildungsbiografie unserer Kinder. Insofern kommt unseren Kindertagesstätten auch ein immer wichtigerer Bildungsauftrag zu, den wir aber nur mit ausreichendem und gut ausgebildetem Personal verwirklichen können. Es geht um Klasse und Masse: Wir wollen mehr Interessierte, die engagiert auf hohem pädagogischen Niveau mit den Krippen- und Kindergartenkindern arbeiten. Es kann nicht sein, dass angehende Fachkräfte für die Bildung, Betreuung und Erziehung unserer Kinder während ihrer Ausbildung auch noch Schulgeld aufbringen müssen“, sagte Kultusminister Tonne am (heutigen) Donnerstag.

Bereits zum neuen Schuljahr 2018/2019 wird der „Niedersachsen-Plan: Mehr Fachkräfte für die Kita!“ umgesetzt:

I. Ausbildungszahlen weiter steigern

Das Kultusministerium schafft bis zu 500 zusätzliche Ausbildungsplätze für sozialpädagogische Bildungsgänge an berufsbildenden Schulen! Damit können neue Sozialpädagogische Assistenten/innen, Erzieher/innen, Heilpädagogen/innen ausgebildet werden.

Aktuell befinden sich so viele junge Menschen wie nie zuvor in Niedersachsen in einer Ausbildung zum Erzieher bzw. zur Erzieherin (mehr als 14.000).

II. Teilzeit-Variante in der Ausbildung und Vergütung ermöglichen

Niedersachsen wird die Ausbildung zum/zur Sozialpädagogischen Assistenten/in und zum/zur Erzieher/in ab dem neuen Schuljahr auch in Teilzeit ermöglichen. Durch den praktischen Einsatz in den Kindertageseinrichtungen neben der schulischen Ausbildung können die angehenden Sozialpädagogischen Assistenten/innen und Erzieher/innen eine Vergütung von den Trägern erhalten. Die Teilzeit-Variante der Ausbildung wird in Niedersachsen sowohl für den Berufseinstieg als auch für den Quereinstieg umgesetzt.

III. Schulgeldfreiheit umsetzen

Das Niedersächsische Kultusministerium wird für Schüler/innen an Schulen in freier Trägerschaft für den Schulbesuch der Berufsfachschule Sozialpädagogische Assistenz und der Fachschule Sozialpädagogik das Schulgeld übernehmen. Das Schulgeld für die rund 4.400 angehenden Sozialpädagogischen Assistenten/innen und Erzieher/innen summiert sich auf zirka 5 Millionen Euro jährlich. Im Falle einer Berücksichtigung im Haushalt kann die Maßnahme ab 2019 umgesetzt werden.

IV. Quereinstieg erleichtern durch berufliche Vorbildung

Schneller staatlich anerkannte Erzieherin / staatlich anerkannter Erzieher werden: Gesundheits- oder Kinderkrankenpfleger/innen, Heilerziehungspfleger/innen, Logopäden/innen, Ergotherapeuten/innen, Logopäden/innen und Atem-, Sprech- und Stimmlehrer/innen können zum neuen Schuljahr in die zweijährige Fachschule Sozialpädagogik aufgenommen werden. Die Ausbildung dieser Professionen wird anerkannt und ermöglicht die Verkürzung der Ausbildung auf zwei statt vier Jahre.

Tonne: „Mit unserem Niedersachsen-Plan für mehr Fachkräfte machen wir die Ausbildung attraktiver und öffnen das Tätigkeitsfeld Kita für weitere, hoch qualifizierte Fachkräfte. Ich bin überzeugt, dass dies ein wichtiger Beitrag ist, um der steigenden Bedeutung der frühkindlichen Bildung und dem steigenden Bedarf an Fachkräften nachkommen zu können.“


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