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19.09.2013

Die Schulentwicklungsplanung in Friesland soll sich angeblich an der "qualifizierten Elternabfrage" -also an den Rückläufern eines komplizierten Fragebogens, der den Elternwillen abbilden soll - orientieren und dem Grundsatz der wohnortnahen Schulstandorten erfüllen.

Konkret geht es um die Einrichtung eine IGS im Südkreis (Varel, Bockhorner, Zetel). Folgt man dem Beschlussvorschlag der Kreisverwaltung wird im Sommer 2014 eine IGS mit vier Zügen in Zetel eingerichtet. Begründet wird dieser Beschlussvorschlag von einem Zahlenwerk, das sich aus den prozentualen Übergängen von Schülern der einzelnen Grundschulen in die neue IGS ableitet.

Selbst wenn man diese prozentualen Prognosen für wahr nimmt - also z.B. Ab 2014 weniger Schüler aus Zetel zu einer IGS nach Varel geschickt würden, als derzeit zu einer IGS in Schortens - darf man die reinen prozentualen Angaben nicht für sich nehmen. Aus Varel - dem Mittelzentrum und größte Stadt des Landkreises, würden lt. Prognose rund 160 Eltern/Schüler 2014/15 eine IGS in Varel besuchen (und der Kreis geht von einem noch höheren Bedarf aus) während für Zetel mit einem minimal  Bedarf von 75  Eltern/Schülern ermittelt wurde.

Was ist nun der Elternwille? Wie wird er gemessen in Prozenten oder absoluten Zahlen?
Aber egal, es können ohnehin nicht alle Elternwünsche befriedigt werden. Aus planerischen Gründen (man möchte keinen Schulstandort durch eine neue IGS gefährden) und zunächst rechtlichen Einschränkungen wird die neue IGS verständlicher Weise auf  vier Züge (120 Schüler aus dem Südkreis pro Jahrgang) beschränkt.

Doch was bedeutet das? Die IGS -egal ob in Zetel oder Varel- steht allen Schüler aus dem Südkreis gleichrangig offen. D.h. bei einer Normalverteilung durch Auslosung müssten 60 bis 70 Plätze auf die Vareler Schüler entfallen.  Und immerhin würden lt. Prognose (mit all ihren Mängeln) noch 60 Eltern aus Varel und ca. 30 aus Bockhorn ihre Kinder pro Jahr auf die IGS nach Zetel senden. Da blieben rein rechnerisch noch 30 Plätze für die Zeteler Schüler offen.
Parallel zu diesem Szenario werden die HRS und die LMG-Außenstelle in Zetel aufgehoben und die Schüler des Südkreises dürfen nicht mehr auf die IGS Schortens ausweichen (z.Z. besuchen 25 Zeteler Schüler die IGS Schortens).

Vor diesem Hintergrund  müssen bis zu 83 Schüler (Jahrgang 2014/15)  aus Zetel in Schulen anderer Kommunen ausweichen.
Ich bin mir nicht sicher ob dies der Elternwille ist und ob hier der Grundsatz der wohnortnahen Beschulung realisiert wird. In Varel könnten Schüler, die nicht die IGS besuchen möchten oder auf Grund der begrenzten Plätze können (bei einer Normalverteilung könnten nur 60 bis 70 Vareler die IGS besuchen), ohne größere Schwierigkeiten auf das schulische Angebot in Obenstrohe ausweichen und somit diesen Standort nachhaltig sichern.

Bei diesen Annahmen ist es kaum nachvollziehbar (der Landkreis will seine Berechnungszahlen der Schülerbeförderung nachreichen), dass die Standortfrage (Varel oder Zetel) keine nennenswerten Unterschiede bei den Kosten für die Schülerbeförderung ausmacht. Immerhin stehen rein von den Prognosen her, 60 Schülern die von Varel nach Zetel (pro Jahrgang) befördert werden müssten, nur 30 Schüler von Zetel nach Varel gegenüber, wenn die IGS in Varel realisiert würde (die Bockhorner IGS-Schüler müssten in beiden Fällen befördert werden).

Von einer Schulentwicklungsplanung sollte man auch eine gewisse Entwicklungsperspektive erwarten. Eine Beschränkung des neuen Angebotes auf vier Züge scheint unter den gegebenen Umständen zunächst angemessen und geboten zu sein. Es ist aber klar festzustellen, dass der Elternwille schon jetzt eine 6 bis 7- zügige IGS in Varel abbildet. Ferner ist eine IGS ohne Oberstufe halbherzig. Bei der vorgeschlagen Variante müssen dann alle IGS nach der 9 Klasse sich um einen Schulplatz an anderen weiterführenden Schulen bemühen. Auch hier kann zumindest in Frage gestellt werden, ob dieses dem Elternwunsch entspricht. Die MMW geht davon aus, dass sich diese Einschränkung durch den Kreis nicht lange aufrecht halten lässt. Also die Oberstufe in spätestens vier Jahren nachgeliefert wird (dies ist schon jetzt der Wunsch der Zeteler Schulleitung).

Die Kooperationsmöglichkeiten zwischen einer IGS (mit und ohne Oberstufe) in Varel mit der Berufsfachschule und dem LMG sind unbestreitbar besser und kostengünstiger zu realisieren. Durch die räumliche Nähe lässt sich auch das qualitative und vielfältige Angebot des LMGs langfristig -selbst bei rückläufigen Schülerzahlen- aufrechterhalten bzw. ausbauen.